Auszug aus der Chronik
130 Jahre Musikverein 1891"Harmonie" Saarwellingen
Überlieferungen der Chronisten besagen, dass es um 1860 schon musizierende Gruppen in Saarwellingen gab. Einen ersten Nachweis auf die Existenz einer Musikkapelle findet sich in der Schulchronik. Ein Eintrag des damaligen Lehrers Jakob Kiefer besagt, dass am 3. Januar 1886, eine Musikkapelle am Vorabend zum 25-jährigen Regierungsjubiläum Kaiser Wilhelm I. zu Ehren des Kaisers bei einem Fackelzug gespielt hat. Ein erstes Statut belegt die Gründung eines Vereins am 7. Juli 1891. Im Jahr 1902 gab man sich den Namen "Harmonie". Dokumente aus der Zeit um die Jahrhundertwende belegen, dass der junge Verein mit einigen Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen hatte. Der Dirigent zog außerhalb des Ortes, es gab defekte Instrumente und man stritt sich über die Wahl des Vereinslokals. Dann kam Traugott Brößner, ein ehemaliger Militärmusiker des 30. Inf. Rgtm. in Saarlouis als Wirt nach Saarwellingen. Kurze Zeit später wurde er Drigent des Vereins. Die Harmonie war wieder hersgestellt.
Im Ersten Weltkrieg kam die Vereinstätigeit völlig zum Erliegen. Den Brüdern Peter Massonne als Präsident und Matthias Massonne als Dirigent ist es zu verdanken, dass der Wiederaufbau gelang. Am 9. Juli 1922 wurde Ludwig Krämer, ein ehemaliger Tambourmajor der Kaisergarde Berlin, zum Dirigenten gewählt. Er legte den Grundstein zur heutigen Form des Orchesters indem er den Holzsatz erweiterte, vier Hörner, Pauken und Glockenspiel besetzte. 1926 feierte man das silberne Jubiläum. Bis zum Zweiten Weltkrieg war der Verein recht aktiv. Man gab Konzerte, stellte die Festmusik zu Chor- und Musikfesten und beteiligte sich an Theater- und Operettenaufführungen. 1926 schloss man Freundschaft mit dem MGV Limburg. Eine Partnerschaft, die bis in die 90er Jahre anhielt.
Im Jahr 1931 übernahm Peter Koerner zum ersten Mal den Dirigentenstab. In der Zeit vorm Zweiten Weltkrieg wurde er von Wilhelm Klein abgelöst. Der Verein wurde mehr und mehr zu politischen Veranstaltungen herangezogen und zur Gemeindekapelle umfunktioniert. Im Krieg gab es kein Vereinsleben. Das Vermögen ging gänzlich verloren, einige Vereinskameraden waren gefallen, andere in Kriegsgefangenschaft. Trotzdem begann man mit dem Wiederaufbau. 1951 feierte man mit einem Streich- und einem Blasorchester das Goldene Vereinsjubiläum.
Im Jahr 1955 erhielt der Verein eine einheitliche Uniform. Der Tradition des Saarlandes folgend wählte man die Bergmannstracht mit Tschako und schwarz-weißem Federbusch. 1957 trat man dem Bund Saarländischer Musikvereine bei und erzielte mit Peter Koerner, der zwischenzeitlich wieder das Dirigentenamt übernommen hatte,
bei Wertungsspielen hervorragende Ergebnisse. 1958 entsprach man der Bitte des BSM und beteiligte sich als einziger deutscher Verein an den Internationalen Wertungsspielen in Ostende in Belgien. 1959 fuhr man zum Concours nach Vichy in Frankreich. Beide Male konnte man sich als "kleines" 45 Mann starkes Orchester unter 100 Mann-Orchestern behaupten. Man errang einen zweiten und einen dritten Preis. Und das in der Höchst- bzw. Kunststufe.
1962 erfolgte die erste Gründung eines Jugendorchesters. Die Leitung übernahm der junge Reinhold Pack. 1965 wurde Wilhelm Hafner zum Vorsitzenden gewählt und blieb es fast 30 Jahre lang. 1967 und 1968 fuhr der Verein nach Hamburg-Marmstorf. Auf Einladung des dortigen Schützenvereins übernahm man die musikalische Umrahmung des Schützenfestes.
Im gleichen Jahr wurde Reinhold Pack Dirigent des großen Orchesters. Höhepunkte des 75 jährigen Stiftungsfestes waren ein Festkommers, ein Musikfest und ein Großer Zapfenstreich. Ab Mitte der 70er widmete man sich auch wieder verstärkt der Jugendausbildung. Der Mühe Lohn war die Verleihung des Robert Klein Preises im Jahr 2002.
Corona bedingt ist ein gemeinsames Üben momentan zwar nicht erlaubt aber die Technik machte es möglich, dass die Jugend trotzdem gehört wurde. Es wurden einige schöne Videos erstellt und im Internet präsentiert. Für die Jugendarbeit und die Ausbildung verantwortlich ist heute der Musikpädagoge Philipp Mißler.
In den 1980er Jahren machte der Verein viele Touren im In- und Ausland. 1990 feierte man mit einer Soirée und einer großen Fotoausstellung das 90 jährige Bestehen.
Ebenfalls 1990 kam es zur ersten Begegnung mit der Société Philharmonique de Bourbon-Lancy, einem Musikverein aus der Saarwellinger Partnerstadt. Ab Mitte der 90er Jahre nahm der Verein eine Zeit lang wieder an Wertungsspielen teil mit sehr guten Ergebnissen in der Oberstufe.
Zum 100-jährigen Vereinsjubiläum erfolgte die Verleihung der PRO-MUSICA-PLAKETTE. Bei den Recherchen zur Aufarbeitung der Chronik wurden Dokumente gefunden, die eine Gründung des Vereins im Jahr 1891 belegen. Man folgte einer Empfehlung des BDMV und nahm das Gründungsjahr mit in den Namen auf. Der Verein nennt sich fortan MUSIKVEREIN 1891 "HARMONIE" SAARWELLINGEN. Das Jubiläum feierte man mit einem großen Musikfest in Verbindung mit dem 20. Kreismusikfest des Musikkreises Saarlouis.
Auf die Präsidentschaft von Wilhelm Hafner folgten die ersten Vorsitzenden Peter Koerner und Willi Kessler. Dirigent Reinhold Pack gab sein Amt 2001 an Reginald Weisgerber ab.
Das 125 jährige Stiftungsfest konnte dann schon 2016 gefeiert werden. Höhepunkt war ein großer Zapfenstreich vor der Kulisse des Saarwellinger Rathauses unter anderem unter Mitwirkung des Traditionsvereins "Die Dreißiger" aus Saarlouis. Militärmusiker aus dem ehemaligen 30. Inf. Rgtm. waren seinerzeit unter den Vereinsgründern.
Die erste Frau, die zwischenzeitlich die musikalische Leitung des Vereins inne hatte, war Helga Brommenschenkel.
2017 wurde dann ein neuer Vorstand gewählt. Vorher schon trat Pierre Petit sein Amt als neuer Dirigent an. So wurden also die Weichen für eine erfolgversprechende Zukunft gestellt.
Viele Musiker:innen haben im Laufe der 130 jährigen Vereinsgechichte in "ihrem" Musikverein zu vielen Anlässen im Ort und für Land und Leute musiziert. Dafür ein herzliches DANKESCHÖN.
Musikverein 1891 "Harmonie" Saarwellingen
Aus der Chronik von Ralf Obertreis








